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Die Gotthardsruine - Eine Kirchenruine aus der Vergangenheit erwacht aus ihrem Dornröschenschlaf! Was all die Jahre ein romantisches Ausflugsziel vieler Wanderer war und den Amorbachern und Weilbachern ein gemeinsames Wahrzeichen, erregt jetzt in Archäologenkreisen viel Aufsehen. Der Gotthardsberg wird seit dem Sommer 2010 vom Archäologenteam um Harald Rosmanitz und mit Unterstützung vieler freiwilliger Helfer erforscht. Wechselvoll waren die Jahrhunderte für den Berg, der möglicherweise schon zu Zeiten der Römer Bedeutung hatte.

 

Hierzu nachfolgend die wichtigsten Daten zur Geschichte des Gotthardsberges:

 

Zur Römerzeit, ca. 2.-3.Jhdt. n.Chr., erstreckte sich der Obergermanisch-Raetische Limes insgesamt 550 km von der Donau bei Regensburg bis an den Rhein bei Remagen. Der 42 km lange "Nasse Limes" von Stockstadt bis Miltenberg verlief weiter Richtung Walldürn. (Wachturm in Reichartshausen). Der Gotthardsberg war wegen seiner exponierten Lage in der Nähe dieser Limes-Linie sicher auch schon zu jener Zeit als Signal-Wachstation genutzt. Die Völkerwanderungen von Alemannen, Burgundern und

Germanen  brachten im 5.Jhdt. die Franken in unser Gebiet. Fränkische Gaugrafen erwählten sich diese Bergkuppe als Sitz.

 

714 a.d.: Zur Gründung des Klosters Amorbach, beruft Gaugraf Ruthard von Frankenberg den Hl. Pirmin als Abt zur Christianisierung der Heiden. Etwa ab dem 8.Jhdt. n.Chr. soll auf dem Gotthardsberg eine Fliehburg von ca. 80 x50 m entstanden sein, deren Existenz durch die Grabungen nachgewiesen werden konnte.

 

1138 a.d.: Jahrhunderte später, wurde eine Burgkapelle durch den Würzburger Bischof Embrico geweiht. Namensgeber war der Heilige Godehard von Hildesheim ( geb. 960, Abt mehrerer Benediktinerklöster). Der Ausbau der Burg folgte. 

 

1144 a.d.: Hoher Besuch durch König Konrad III. auf der Burg Frankenberg. Dies Ereignis belegt die Urkunde "apud ammerbach", die für das Domkapitel Bamberg bestimmt war.

 

10. Juli 1168: Urkundliche Erwähnung in der "Güldenen Freiheit" auf dem Reichstag in Würzburg. Friedrich I. Barbarossa (Rotbart) verfügte auf persönliches Geheiß die Zerstörung der Burg "castrum francenberg". In der Urkunde heißt es, dass von der Burg "eine Gefahr für die Kirche Würzburgs" ausgehe.  Die Anlage wurde "geschleift", nur die dem heiligen Gotthard geweihte Kapelle blieb erhalten. Der Berg wurde der Kirche übereignet und ein Nonnenkloster errichtet. Unterstützung wurde gewährt durch das Benediktinerkloster im Tal.

 

1244 a.d.: Konrad von Dürn, der Landesvogt unserer Gegend war, vertrieb die Nonnen und plante, wieder eine Burg zu bauen.

 

1245 a.d.: Laut Päpstlicher Anweisung musste Konrad von Dürn das Kloster wieder den Nonnen überlassen.

 

4. September 1439 Das Nonnenkloster wurde aufgehoben und der Abtei unterstellt.

 

1525 a.d.: Im Bauernkrieg wurden die Anlagen auf dem Gotthard durch Götz von Berlichingen niedergebrannt. Einzig die Kirche blieb verschont. Danach wurde der Gotthard wirtschaftlich nicht mehr genutzt.

 

Erst 1628-1631 kommt es zum Wiederaufbau der Kirche und Priorei durch das Benediktinerkloster im Tal.

 

1618-1648, während des 30 jährigen Krieges, gab es trotz Aufenthalts der Schweden (1631-1634) in Amorbach keine Zerstörungen auf dem Gotthard.

 

Erst 1689 u. 1714 wird die Kirche durch Blitzschlag zerstört und ist seitdem eine Ruine.

 

Ende des 18.Jhdt. erfolgt die Teilung der Liegenschaften des Klosters Amorbach: der Gotthard gehört ab sofort jeweils zur Hälfte dem Markt Weilbach und der Stadt Amorbach.

 

1878 wird der Turm durch den  Verschönerungsverein (Debon, Marie zu

Leiningen) erhöht.

 

1956 bekommt die Ruine ihr Dach, wie wir es heute sehen.

 

In den 1990er Jahren erfolgen verschiedene "Verschönerungsarbeiten", jedoch ohne Rücksicht auf geschichtliche Verluste. Jahre später wird die Ruine wieder - auch auf Wunsch vieler Bürger - durch Abholzungsmaßnahmen freigelegt.